Nachaltigkeits-Lexikon von A bis Z

Nachhaltigkeit und Faire Produktion gewinnt immer mehr an Wichtigkeit. Zurecht! Zugegebenermaßen ist Nachhaltigkeit ein sehr komplexes Thema mit unzähligen Begriffen, Organisationen und Schlagworten bei denen man leicht den Überblick verlieren kann. Wir haben Ihnen die wichtigsten Begriffe zusammengefasst, damit Sie sich besser im Dschungel der Begriffe zurecht finden können. Wenn Ihnen am Herzen liegt beim Shopping bessere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen, können Sie hier die Werte und Konzepte unserer Marken nachlesen:


Plants in a bright living room

Das Schlagwort-Lexikon

Nachhaltigkeits-Begriffe von A - Z


Die Vielfalt an Begriffen und Regeln in Sachen Nachhaltigkeit erscheint oft wie ein undurchsichtiger Dschungel. Auch uns ging es am Anfang nicht anders. Wir wollen Ihnen bei der Aufklärung helfen und haben hier alle Begriffe von A bis Z zusammengefasst.



A



ACCORD: Nach dem Rana Planza-Unglück 2015 - gegründetes Abkommen großer Unternehmen zur Verbesserung des Brandschutzes und der Gebäudesicherheit in Bangladesch.


AUDIT: Untersuchung durch unabhängige Gutachter in den Fabriken vor Ort. Geprüft wird, ob Produktionsprozesse den Richtlinien für Sozial- und Umweltstandards entsprechen.



B


BIO-BAUMWOLLE: Baumwolle, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert wird. Im Gegensatz zu konventionellem Baumwollanbau sind dabei chemische Pestizide und Düngemittel verboten.


BSCI: Die Better Social Compliance Initiative wurde durch den europäischen Handelsverband Foreign Trade Association als Verhaltens-Kodex für soziale Standards in Produktionsländern entwickelt.



BLUESIGN: Nachhaltigkeits-Standards und Siegel für schadstoffarme Textilherstellung.



BÜNDNIS FÜR NACHALTIGE TEXTILIEN: 2014 von Minister Gerd Müller gegründete Initiative von Unternehmen und Verbänden zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der ökologischen und sozialen Standards in den Produktionsländern der Textil- und Bekleidungsindustrie.




C



CHROMGERBUNG: Gerb-Verfahren für rund 85% des für Schuhe, Bekleidung oder Polster verwendeten Leders. Es ist ökologisch bedenklich, weil sich das Chrom III verwendete in der Umwelt anreichert, Böden belastet und Abwässer verseucht.


CLEAN CLOTHES CAMPAIGN CCC: Die Kampagne für Saubere Kleidung ist ein internationales Netzwerk aus Organisationen, Vereinen und Verbänden, das die Interessen von Arbeitern und Verbrauchern durch einen verpflichtenden Kodex wahren will.


CMIA: Cotton made in Africa ist eine Initiative der Aid by Trade Foundation, die Kleinbauern Hilfe zur Selbsthilfe gibt und den nachhaltigeren Anbau von Baumwolle fördert.


CODE OF CONDUCT: Ein Verhaltenskodex, den der Gesamtverband der deutschen Textil- und Mode-Industier 2010 als Empfehlung für sozial- und umweltverantwortliches Geschäftsverhalten erarbeitet hat und an dem sich viele Unternehmen orientieren. Die Umsetzung wird allerdings nicht geprüft.


Co2-BILANZ Maß für den Gesamtbetrag von Kohlenstoffdioxid-Emissionen, der durch die Produktion und das Tragen von Kleidung steht. CO2-Emissionen sind wesentlich am Treibhauseffekt beteiligt, der zur globalen Klimaerwärmung führt. CRADLE-TO-CRADE: Auch Circular Fashion oder Closed Loop -Ansatz für eine durchsichtige Kreislaufwirtschaft von der Herstellung bis zum Lebensende eines Produktes. Ziel ist es, Kleidung in Gebrauch zu halten, erneuerbare Materialien zu nutzen und Lösungen zu entwickeln, um gebrauchte Kleidung in Neue zu verwandeln. Dabei müssen Mono-Materialien statt Mischgewebe eingesetzt und ungiftige Chemikalien verwendet werden. Zudem muss schon bei der Gestaltung an die Reparatur-Fähigkeit und die Neuverarbeitung durch Recycling oder Upcycling gedacht werden.


CSR: Corporate Social Responsibility steht für die Gesellschaft und umfasst soziale, ökologische und ökonomische Aspekte.


D



DETOX-KAMPAGNE: 2011 von Greenpeace gestartete Entgiftungskampagne, bei der sich mehr als 70 globale Modemarken verpflichtet haben, gefährliche Chemikalien und Schadstoffe durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.



E



ECONYL: Garn, das zu 100% aus Nylon-Abfällen, recycelten Fischernetzen, Teppichböden und Plastikmüll hergestellt wird.


EU ECO LABEL: Offizielles Umweltzeichen der Europäischen Union für Produkte des täglichen Bedarfs, die ressourcenschonend, mit möglichst wenig Chemikalien produziert wurden. Das verwendete Material muss zu mindestens 50% von externen Systemen zertifiziert werden.



F




FAIR TRADE: Ein Siegel der Fair Trade Labelling Organisations International (FLO), für das soziale, ökonomische und ökologische Kriterien bei der Fertigung geprüft werden.




G




GLOBAL RECYCLED STANDARD:

Von der Organisation Textile Exchange entwickeltes Siegel für die Rückverfolgbarkeit und umweltfreundliche Produktion der Fasern. Das Siegel darf verwendet werden, wenn ein Produkt zu mindestens 20% aus recycelten Materialien besteht.


GREENWASHING: Kampagnen und PR-Aktionen, die nur den Eindruck vermitteln, die Unternehmen würden besonders umweltfreundlich, ethisch korrekt und fair handeln. Bei den „grüngewaschenen“ Produkten entspricht dies jedoch nicht den ökologischen oder sozialen Tatsachen.



GRÜNER KNOPF: Staatliches Metasiegel für Textilien, das vom Bundesentwicklungsministerium um 2019 eingeführt wurde. Bedingungen sind 26 soziale und ökologische Kriterien. Basis sind andere Siegel wie GOTS, deren Einhaltung Prüfstellen wie der TÜV kontrollieren.


GOTS: Global Organic Textile Standard für Kleidung aus biologisch erzeugten Naturfasern. Das Textilsiegel definiert als einer der wenigen Standards - umwelttechnische Anforderungen und Sozialkriterien entlang der gesamten Produktionskette.



I



ILO: Internationale Arbeitsorganisation, die sich seit 1919 für die Rechte von Arbeitern und weltweit geltende soziale Mindeststandards einsetzt.


INNATEX: Naturtextilmesse in Wallau bei Frankfurt für Bekleidung und Accessoires. Heimtextilien und Stoffe unter der Schirmherrschaft des INV.



INV: Der Internationale Verband der Naturtextil-Wirtschaft ist ein Zusammenschluss von Leder und Textilwirtschaft, die für ökologische und sozialverantwortliche Herstellung eintreten und das Siegel „Naturtextil zertifiziert BEST“ für Naturfasern aus 100% Bio Baumwolle.



L



LIEFERKETTENGESETZ: Gesetzentwurf zur Einhaltung von Standards in der globalen Produktion. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, eine unternehmerische Sorgfaltspflicht als Gesetz einzuführen, wenn nicht die Mehrheit deutscher Unternehmer bis Ende 2020 entsprechende Prozesse freiwillig veranlasst.


LIVING WAGES: Fairer Lohn, der nicht nur das bloße physische Überleben, sondern auch die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben sichert. Das ist mehr als der Mindestlohn, der nur die gesetzliche Lohnuntergrenze und meist lediglich einen Existenzlohn definiert.



M


MADE IN GREEN BY ÖKOTEX: Nachverfolgbares Zertifikat für Textilien, sowie Lederartikel aller Vorstufen. Das Label verknüpft die Schadstoffprüfung des Standards 100 mit der Kontrolle, dass das Produkt nachhaltig und sozialverträglich hergestellt wurde.


MIKROPLASTIK: Feste und unlösliche Kunststoffe, die kleiner als 5mm sind. Die Partikel entstehen beim Reifenabrieb und kommen u.a. in Flüssigwaschmitteln und Bekleidung vor (z.B. Fleece Stoffe). Sie lösen sich beim Waschen und landen schließlich im Meer. Textilfasern sind die Mikroplastik-Quelle Nr.1 bei der Meerverschmutzung.


MRSL: Die Manufacturing Restricted Substances List führt Chemikalien auf, deren Einsatz im Produktionsprozess beschränkt oder verboten sind.


MULESING: Bei dem grausamen Verfahren wird Schafen ohne Betäubung mit einem Messer oder Schere Haut – und Fleischstücke vom Hinterteil geschnitten. Damit soll der Befall durch Fliegenmaden in den Hautfalten vermieden werden.


N


NEONYT: Die Order- und Informationsplattformen der Messe Frankfurt für Fair Fashion ging 2019 aus den Events Ethical Fashion Show und Greenshowroom hervor. Nach rund acht Jahren in Berlin zieht die Messe 2021 nach Frankfurt.


O


OEKO-TEX: Prüfgemeinschaft aus 18 unabhängigen Instituten in Europa und Japan. Zum Portfolio gehören zahlreiche Zertifizierungen entlang der Textilkette für schadstofffreie und faire Produkte.


OEKONOMIE / ÖKONOMISCH: Ökonomisch zu handeln bedeutet in der Wirtschaft rational und vernunftorientiertes Handeln und mit wenigen verfügbaren Gütern so zu hantieren, dass die Bedürfnisse der Gesellschaft des Menschen bestmöglich erfüllt werden. Das Ziel hierbei ist in erster Linie das Wirtschaftswachstum.


Ökologisch bedeutet umweltverträgliches Handeln. Hierbei wir auf die Unversehrtheit des Ökosystems, die Natur in Bezug auf den Artenschutz der Vegetation und Tierwelt zu erhalten.



P


PETA: People for the Ethical Treatment of Animals ist mit nach eigenen Angaben 5 Millionen Unterstützern weltweit die größte Tierrechtsorganisation.


PFC: Es gibt mehrere hundert der per- und polyflourierten Chemikalien, von denen sich einige in der Umwelt anreichern und gesundheitsschädlich sind. Vor allem Outdoor-Industrie nutzt PFC für wasser- und schmutzabweisende Produkteigenschaften, sucht Alternativen.


PFLANZENGERBUNG


Pflanzlich, lohgar, altgegerbtes oder vegetabil gegerbtes Leder wird u.a. mit Fichtenrinde, Taraschoten, Olivenblättern und Rhababerwurzeln gegerbt. Wirkstoff in der pflanzlichen Gerbung sind Tannine.



R



RANA PLAZA: Am 24. April 2013 stütze die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch Hauptstadt Dhaka ein. 1135 Menschen starben und über 2000 wurden verletzt. Seitdem sind die Arbeitsbedingungen in der Mode-Industrie deutlich stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt als zuvor.


REACH: Reach steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals. Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. REFIBRA: Faser aus dem Hause Lenzing, bei der Baumwollstoffreste, z.B. aus der Bekleidungsproduktion, mit Zellstoff vermischt werden. So entstehen neue Tencel Lyocell-Fasern. RECYCLING: Verfahren, bei dem gebrauchte Produkte in ihre Bestandteile zerlegt werden. So können nützliche Materialien zurückgewonnen und für neue Produkte verwendet werden. Verliert ein wiederverwertetes Produkt an Qualität, spricht man von Downcycling. RECYCELTES POLYESTER: Polyester ist eine erdölbasierte Kunstfaser, die nicht biologisch abbaubar ist. Allerdings kann sie eingeschmolzen und mit weniger Energieaufwand zu neuem Garn versponnen werden. Recyceltes Polyestergarn wird häufig aus PET-Flaschen gewonnen. RESPONSIBLE DOWN STANDARD: Der RDS wurde von Textile Exchange mit der Control Union und weiteren Stakeholdern entwickelt und gilt als führender Standard für den Tierschutz bei Daunen- Federproduktion.


S


SA 8000: Internationaler Zertifizierungsstandard für Arbeitsbedingungen. Er wurde 1989 von Social Accountability Internation SAI entwickelt. SAC/HIGG INDEX: Der Higg Index ist ein webbasiertes Tool der gemeinnützigen US-Organistation Substainable Apparel Coalition (SCA). Ziel ist, ein Nachhaltigkeitskonzept und eine einheitliche Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen von Mode- und Schuhanbietern zu schaffen.


SLCP: The Social and Labor Convergence Program - für effiziente, einheitlich messbare und nachhaltige Lösung für unabhängige Auditen. Sie arbeiten an einem Netzwerk, um die Arbeitsbedingungen besser kontrollieren und zum Positiven verändern können. Das Programm sieht ein standarisiertes, unbeeinflussbares und neutrales Tool vor, dass durch eine Verifizierung die Daten zu Arbeitsbedingungen sammelt und transparent verfolgt.


SLOW FASHION: Gegenentwurf zu Fast Fashion, der für fair produzierte, qualitativ hochwertige, zeitlose und damit langlebige Mode steht.


T


TENCEL: Lyocell- und Modalfasern der Marke Tencel aus dem Hause Lenzing werden in einem umweltbewussten Herstellungsprozess aus aufgearbeiteten Holzfasern erzeugt. Kleidung aus Tencel ist biologisch abbaubar und zerfällt laut dem Hersteller der Firma Lenzing ohne schädliche Rückstände.


THE GOOD CASHMERE STANDARD: 2020 von der Aid by Trade Foundation (AbTF) als unabhängiger Materialstandard für Cashmere entwickelt. Zunächst werden Ziegenfarmer in der Inneren Mongolei zertifiziert.


TRANSPARENZ/ TRACEABILITY: Immer mehr Unternehmen legen ihre Lieferketten offen und machen jeden Produktionsschritt nachverfolgbar. Die ist auch wichtig für die Glaubwürdigkeit einer Marke und die Erteilung von Zertifikaten.




V


VEGANE MODE: Bekleidung und Schuhe ohne tierische Materialien wie Leder, Daunen, Wolle, Seide oder Pelz. Auch Komponenten wie Klebstoffe müssen frei von tierischen Bestandteilen sein. Das Problem: Als alternatives Material kommen zumeist Kunststoffe zum Einsatz, die auf Erdölbasis gewonnen werden und umweltschädlich sind.



Z



ZDHC: Abkürzung für Zero Discharge of Hazardous Chemicals. Die 2011 gegründete Vereinigung von Textil- und Schuh-Herstellern will Schadstoffe völlig aus der Produktion verbannen.


14 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen